Generationenwechsel im Unterverband BAU

Die neue Führung des Unterverbands BAU: Vizepräsident Hubert Koller und Präsident Jan Weber (vorne) sowie die Mitglieder des Zentralausschusses Memet Kaya, Giuseppe Lanini, Patrick Parietti, Hans Ulrich Keller und Philippe Schibli.

Mit dem 44-jährigen Jan Weber als Zentralpräsident und dem 32-jährigen Patrick Parietti als Zentralkassier übernimmt im Unterverband Bau eine neue Generation die Führung. Die Delegiertenversammlung hat die beiden einstimmig in diese Funktionen gewählt.

Der abtretende Zentralpräsident Markus Kaufmann.

Der abtretende Zentralpräsident Markus Kaufmann erinnerte sich einleitend an seinen Anfang beim SEV. 1975 begann er im damaligen Unterverband APV. Nach vielen Etappen wurde er vor vier Jahren Zentralpräsident BAU. Nun wählte die Delegiertenversammlung seinen Nachfolger: den bisherigen Vizepräsidenten Jan Weber, der als Cheftechniker bei der SBB in Ostermundigen arbeitet. Zu ersetzen war auch Zentralkassier Hugo Ruoss; auf ihn folgt Patrick Parietti, der seit sechs Jahren bei der SBB arbeitet und vor einem Jahr neu in den Zentralausschusses BAU gewählt worden war.

Als Mitglieder des Zentralausschusses bestätigt wurden Hans Ulrich Keller, Philippe Schibli, Giuseppe Lanini, Memet Kaya sowie Hubert Koller. Dieser ist als neuer Vizepräsident vorgesehen und rückt entsprechend im Vorstand SEV, im GAV-Ausschuss und im SGB-Kongress nach.

 

Bessere Entschädigungen

Die Delegiertenversammlung beschloss eine Erhöhung der Entschädigungen der Gremienmitglieder sowohl im Unterverband als auch in den Sektionen. Es handelt sich um die erste Anpassung seit 2008. Damit steigt allerdings auch das Defizit im Budget fürs laufende Jahr an, nachdem die Rechnung 2019 mit einem Verlust von knapp 25 000 Franken abgeschlossen hat. Der scheidende Zentralkassier Hugo Ruoss erinnerte jedoch daran, dass bei der Gründung des Unterverbands entschieden wurde, das Vermögen, das aus den vorherigen Unterverbänden und Sektionen zusammenkam, über tiefe Mitgliederbeiträge und entsprechende Rechnungsdefizite an die Mitglieder weiterzugeben.

 

Führungslücken bei Infra

Der für SBB Infrastruktur zuständige SEV-Sekretär Urs Huber blickte einigermassen zufrieden auf die Corona-Monate zurück. Schnell habe man gelernt, per Videokonferenz miteinander zu reden, sowohl innerhalb des SEV als auch mit der SBB. So seien die Funktionäre von BAU immer auf einem guten Wissensstand gewesen.

Als grösstes Problem der letzten Monate nannte Huber, dass sowohl bei Verfügbarkeit und Unterhalt (I-VU) als auch an der Spitze der Infrastruktur die Führungsfunktion nicht besetzt war. «Ich hatte niemanden, zu dem ich ein Problem auf unterer Stufe weitertragen konnte», stellte Huber fest. Das wäre besonders beim Dauerbrenner B-100 nötig gewesen (siehe Box). Nun tritt demnächst Peter Kummer die Stelle als Leiter Infrastruktur an, und bereits ist ein Kennenlern-Termin vereinbart.

Blickte einigermassen zufrieden: SEV-Sekretär Urs Huber.

Hubers Ausblick war allerdings nicht besonders zuversichtlich. Die SBB rechne für dieses Jahr statt mit einem Gewinn von 500 Millionen neu mit einem ebenso hohen Verlust, was für die bevorstehenden Verhandlungen zum Lohnsystem nichts Gutes verheisse. Noch Anfang Jahr hatte die SBB signalisiert, dass sie aufgrund der guten Wirtschaftslage und der grossen Lücken im Personalbestand durchaus für ein Entgegenkommen offen sei.

 

«Stellen und Löhne gesichert»

Endlich wieder Versammlungen: SEV-Präsident Giorgio Tuti.

Die Freude war SEV-Präsident Giorgio Tuti ins Gesicht geschrieben, als er an der Delegiertenversammlung ans Rednerpult trat. «Gewerkschaftsarbeit hat mit Begegnungen zu tun, und ich freue mich sehr, dass ich wieder unter den Leuten sein kann!», sagte er einleitend. Er dankte allen, die während Corona im Einsatz standen und sich den immer wechselnden Bedingungen gestellt haben. Er betonte, dass es dank dem frühen Auftreten des SEV bei der SBB nie zu Diskussionen über Stellenabbau oder Lohnkürzungen gekommen sei. 

Nun gelte es, sich mit der Revision des Lohnsystems und danach mit der Zukunft der Gesamtarbeitsverträge SBB und SBB Cargo zu beschäftigen. «Wir verstehen, dass der SBB Geld fehlt, weil der Bund gesagt hat: ‹Ihr müsst weiterfahren, aber die Leute sollen nicht einsteigen…›» Am runden Tisch habe man erreichen können, dass der Bund der SBB unter die Arme greife, aber für den Fernverkehr gebe es nur Darlehen, was die Verschuldung weiter erhöhe. «Damit wächst der Druck aufs Personal», betonte der SEV-Präsident.

Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn Geld, das in der Schweiz ja durchaus vorhanden sei, eher für den Erhalt von Arbeitsplätzen und für den Ausbau der AHV eingesetzt werde, statt für den Kauf von Militärflugzeugen, ergänzte er mit einem Schmunzeln. Sehr ernst wies er jedoch darauf hin, dass sich die SVP-«Begrenzungs»-Initiative frontal gegen den Lohnschutz und die flankierenden Massnahmen richte. «Der SVP geht es um die Demontage der Gewerkschaften», warnte Tuti deutlich.

 

B-100, noch und noch

Die Entschädigung für Lokführer der Kategorie B-100 ist ein Dauerbrenner. Nachdem endlich eine Regelung vereinbart worden war, stellte sich bald einmal heraus, dass die so genannte Marktentschädigung von 3000 Franken gar nicht allen zugesprochen wurde, die darauf Anrecht hätten. Die SBB zeigte sich bereit, weiteren Gruppen die Zulage auszurichten. Allerdings ist es bis heute nicht dazu gekommen, und auf Nachfrage erklärte die SBB, es seien weitere Abklärungen erforderlich, nicht nur beim Bau, sondern unter anderem auch bei Cargo. «Das ist für die Leute vom Bau untragbar und ein Verstoss gegen Treu und Glauben», betonte Gewerkschaftssekretär Urs Huber. Die Delegiertenversammlung verabschiedete dementsprechend eine Resolution, die dem neuen Chef von SBB Infrastruktur übergeben werden soll.

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